Mein Schreibtisch in der Algarve

Minha escravaninha no Algarve

Folgen erwünscht!

Google+YoutubeFacebookXingTexttreff

Newsletter anmelden

Das portugiesische Link-Gewitter oder wie eins zum anderen führte ...

Neigt sich das Jahr dem Ende entgegen, wird es bunt und spannend im tollsten Netzwerk der Welt (TT - Texttreff - das Netzwerk wortstarker Frauen) - das sog. Blog-Wichteln beginnt: Dabei wird ausgelost, wer wen mit einem Gast-Beitrag erfreuen darf. Jetzt ist zwar schon das neue Jahr angebrochen - aber wunderbare Geschenke werden immer gern entgegen genommen! Ich danke meinem Wichtel Michaela Pelz aufs Herzlichste. Sie schreibt:

Premieren sind stets wahnsinnig aufregend – das gilt auch für die Teilnahme an der TT Blogwichtelaktion. Es soll ja auch alles passen: Der Gastbeitrag zum Blog – idealerweise mit einem Brückenschlag zur Schreiberin und deren Blog.
Andererseits: Was für eine wunderbare Steilvorlage für die Krimi-Expertin! Denn gibt es doch praktisch zu jedem erdenklichen Thema ein hübsches Werk mit Mord und Totschlag. Und aus jedem Land sowieso. So weit der Plan. Als jedoch das Los auf den „Schreibtisch an der Algarve“ fällt, macht sich eine leise Ahnung breit, dass passende Neuerscheinungen längst nicht so zahlreich sind wie die Sonnenstunden (angeblich ;-) ebendort. Doch wer könnte das wohl ganz genau wissen?

 

Bei einer kleinen empirischen Befragung nennt eine Freundin den Namen "George". Nina George – die Autorin aus Hamburg? Die ist es zwar nicht – aber eine Facebook-Nachricht später hat sie den Kontakt zu ihrer Schwester Catrin George hergestellt, die – welch Zufall! - seit vielen Jahren in Portugal lebt und sich als Kulturfrau mit Literatur, Kunst und Musik beschäftigt.
Nach einem kleinen Mailwechsel wird vieles klarer: „Es ist in der Tat schwierig, Kontinental-Portugiesische Kriminalliteratur und Autoren zu finden, die dann auch noch auf Deutsch übersetzt sind.
Aus Brasilien, Angola und Mozambique stammende Autoren trauen sich eher an zeitgenössische Themen heran. Moderne Sklaverei, Diamantenmafia, Kolonialisierung, Kolonialkriege, was kam danach, was ist heute...
Ich weiß nicht, wie gut Du Dich in der Historie diesen kleinen Landes am Ende von Europa auskennst, aber die besten Bücher und Filme der "Neuzeit", also alles was NACH der imperialen Glorie aus den Seefahrerexpeditionen stammt, nach dem Edikt von Granada, und nach der Inquisiton und Reconquista, entstand in den 50er/60er Jahren während der Salazaristischen Diktatur und der PIDE (die ziemlich ähnlich wie die Stasi oder Gestapo funktionierte). In der Epoche wurden Bücher geschrieben, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite nicht mehr loslassen.
1933-1974 herrschte Faschismus und Zensur in Portugal, über 3000 Titel standen auf der schwarzen Liste, da traute sich kaum jemand an Krimi, vor allem an nichts "echtes" zeitgenössisches. Und wenn dann nur im Untergrund.
"Literatur und Journaille" drehte sich 41 Jahre lang  um FFF, Fado, Fußball, Fátima, und Politikpropaganda.

Auf der Seite der Universität für Romanistik in Berlin fand ich dann einige AutorInnen, und in einem portugiesischen Essay der Universität Letras e Artes in Lissabon, über Kriminalliteratur. Bücher, die kritisch aktuelle Geschehnisse in Geschichten verpacken, und somit die Struktur einer Kultur, seines Landes und seines Volkes, spiegeln. Dort fand ich diese vier AutorInnen:
José Cardos Pires: Balada da Praia dos cães (Die Ballade vom Hundestrand)
Nuno Bragança: Square Tolstoi
Clara Pinto Correia: Adeus, Princesa (Auf Wiedersehen, Princesa)
UND Fernando Namora: O Rio triste - Der traurige Fluss sowie "Der Mann mit der Maske".
Ein Nicht-Portugiese, der allerdings sein Leben und Schaffensleben lang beinahe vollständig in Lissabon verbracht hat, war António Tabucchi, Italiener, Leiter des italienischen Institutes. Er schrub den unvergesslichen Krimi "Erklärt Pereira" der mit Marcello Mastrioanni verfilmt ist.“
So weit Catrin George (die dieses umfangreiche Zitat ausdrücklich genehmigte).

Die genannten Werke zu finden, zu lesen und zu besprechen, klingt nach einer Herausforderung, die den Rahmen des geplanten Blogbeitrags sprengt – aber der Wunsch wächst, sich dieses offenbar extrem vielschichtige Land einmal selbst anzusehen – vielleicht sogar unter fachkundiger Führung von Catrin... .

Doch nun heißt es, Alternativen zu finden … Wenn die Literatur wegfällt, dann muss eben das kulinarische Erlebnis her!

Während also im Hintergrund mit Ana Moura – Desfado und Mariza - Gente da minha terra die passende Musik läuft (auch hier auf Anregung einer „Aficionada“) findet noch eine Premiere statt: Die Zubereitung von Pasteis de nata (im weitesten Sinne angelehnt an dieses Rezept).
Allerdings sehen die Vanilletörtchen nicht ansatzweise so aus wie sie sollen – trotz Einsatz des hauseigenen Flambier-Flammenwerfers ;-) 

Portugiesisches Törtchen - Pastel de Nata

Merke: Demnächst nicht mehr am Teig sparen. Und dem Video der Kochschule SaborIntenso mehr Aufmerksamkeit schenken!

Wobei … die Testpersonen erklären das Endergebnis übereinstimmend für genießbar – also vielleicht künftig doch lieber „backen statt lesen“? 

Michaela Pelz Zur Person:

Michaela Pelz - Gründerin und Chefredakteurin von krimi-forum.de. Moderatorin von Lesungen und Krimi-Abenden, Laudatorin und Referentin. Mitglied der Jury vom Deutschen Krimi Preis und des Stuttgarter Krimi-Preises. Heute lebt die Ex-TV-Redakteurin nach Arbeitsaufenthalten in Italien, England, den Philippinen und NRW mit Mann und zwei Kindern als freie Journalistin, Übersetzerin und Beraterin einer Filmfirma in Oberbayern.  

Diese Webseite verwendet Cookies. Cookie Richtlinie